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World of Warcraft und andere Online Rollenspiele

World of WarcraftSeit Februar 2005 gibt es bei uns das Online Rollenspiel „World of Warcraft“ oder kurz WoW und noch immer zieht es millionen Menschen täglich in seinen Bann. Aber was ist dieses WoW eigentlich und worin liegt die Faszination? Immer wieder liest man auch vom hohen Suchtpotential dieses Spiels, was hat es damit auf sich? Mein Kind spielt World of Warcraft, muss ich mir Sorgen machen?

Auf diese und andere Fragen möchte ich im folgenden Artikel näher eingehen.

 

Was sind Online Rollenspiele?

Ein MMORPG oder Massive Multiplayer Online Role Playing Game bedeutet auf Deutsch so viel wie: „tausende Spieler spielen miteinander im Internet ein Spiel in dem sie in eine bestimmte Rolle schlüpfen.“  So spielt man zum Beispiel einen zwergischen Jäger, der mit seinem zahmen Braunbären und seiner Armbrust durch verschneite Täler und finstere Bergwerke streift oder einen grünhäutigen Ork Krieger, der mit Schwert und Schild in jeder Schlacht in vorderster Reihe steht.

Das ganze läuft ein bisschen so wie man es früher vom Cowboy und Indianer spielen her kennt. Man findet sich in Gruppen zusammen, redet miteinander und geht dann zusammen auf die Suche nach dem nächsten Abenteuer. Nur halt jetzt vor dem Computerbildschirm, drinnen, ohne sich großartig zu bewegen.

Ich weiß, das Ganze ist schwer vorzustellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Stellen Sie sich vor, sie steuern eine Marionette durch eine Spielzeuglandschaft in der es viele andere Marionetten gibt, die von anderen Menschen gesteuert werden und noch mehr Marionetten, die von einem Computer gesteuert werden.


Was macht den Reiz von WoW aus?

World of Warcraft ist nicht das einzige Rollenspiel, aber wohl das beliebteste. Worin liegt aber der Reiz mitunter tausende Stunden in so ein Spiel zu investieren? Vielleicht liegt es an der bunten Comic-Welt, die dem Spieler trotz des stetigen Konflikts eine heile Welt vorgaukelt. Oder es ist die Suche nach dem Abenteuer, die viele antreibt. Auch die Möglichkeit seine Spielfigur nach eigenen Wünschen zu gestalten (zumindest zum Teil), kann körperliche Mängel in der realen Welt wett machen und natürlich ist da auch die Anerkennung durch andere Spieler, wenn man eine ganz besondere Rüstung gefunden hat oder sich einen bestimmten Titel erarbeitet hat, die viele nächtelang vor dem Monitor bindet.

Was kostet WoW?

WoW kostet, wie viele andere Online Rollenspiele auch, je nach Dauer des gebuchten Abonnements zwischen 10,99 Euro und 12,99 Euro im Monat. Natürlich muss man das Spiel vorher erst einmal kaufen und dazu auch noch die Erweiterungspakete. Damit ist es eigentlich getan, aber man kann für World of Warcraft noch viel mehr Geld ausgeben. Firmen in China haben sich darauf spezialisiert Spielgeld zu „farmen“ sprich zu sammeln und gegen echtes Geld zu verkaufen, aber auch die Hersteller selbst verkaufen Spielgegenstände wie zum Beispiel virtuelle Haustiere und verdienen daran Millionen. Sie fragen sich jetzt bestimmt warum man für so etwas wie ein virtuelles Haustier echtes Geld ausgeben soll, oder? Ganz einfach, um damit bei seinen Freunden angeben zu können.

Außerdem gibt es noch zahlreiche andere Fanartikel für die man sein Geld ausgeben kann. Der Einstieg in die Spielwelt ist übrigens kostenlos. Man kann das Spiel für einen begrenzten Zeitraum anspielen, um weiterzuspielen muss man allerdings das Spiel kaufen und ein Abo abschließen. Haben Ihre Eltern Ihnen eigentlich auch beigebracht, dass man von Fremden keine kostenlosen Süßigkeiten annehmen soll?

Suchtpotiential von World of Warcraft

Kommen wir zum Suchtpotential von WoW und den Gründen dafür. Ich habe selbst einige Zeit WoW gespielt und kann also aus erster Hand berichten, was in dieser Fantasiewelt so los ist.

Um Ihre Frage vorweg zu nehmen, nein, ich war nicht süchtig. Ich habe zwar auch viel Zeit mit dem Spiel verbracht, aber als ich alles gesehen hatte wurde es mir langweilig und ich habe mein Abonnement gekündigt. Ich bin zwar noch einmal nach einiger Zeit wieder zurück gekehrt um zu sehen was sich verändert hat, habe dann aber nach kurzer Zeit wieder aufgehört zu spielen und vermisse es auch nicht. Ich gehe einmal davon aus, dass ich kein Einzelfall bin und man somit sagen kann, dass dieses Spiel nicht zwangsläufig süchtig macht.

Kommen wir aber zu den Dingen, die manche Spieler dazu bringen ihre ganze (Frei-)zeit im Spiel zu verbringen. Das Leben in der Fantasie-Welt ist denkbar einfach und lässt einen schon mal die harte Realität vergessen. „Stress in der Schule? Egal. Computer an und ab in die Welt von Warcraft. Da kann ich ein großer Held sein und bekomme die Anerkennung die ich verdiene!“ denkt sich da manch einer. Es ist aber nicht immer Realitätsflucht, auch der Gruppenzwang spielt eine große Rolle. Schließt man sich einer Vereinigung, im Spiel Gilde genannt, an, hat man mitunter die Verpflichtung an gewissen Gruppenveranstaltungen teilzunehmen. Da kann es sein, dass man in einer festen Abenteurergruppe unterwegs ist, in der man seinen festen Platz hat, der aber anderweitig vergeben wird, wenn man öfters fehlt.

Es kann auch vorkommen, dass man in einer Gruppe von Freunden unterwegs ist mit der man mithalten muss. Die Figuren in WoW haben verschiedene Level oder Stufen. Unterscheiden sich die Stufen zu stark können die Gruppenmitglieder nur wenig miteinander anfangen, weil das Spiel dann für die einen zu leicht oder die anderen zu schwer ist. Hat man also eine Gruppe von Freunden die sehr viel Zeit darauf verwenden im Spiel vorwärts zu kommen ist man quasi gezwungen genau so viel Zeit zu investieren, damit man mithalten kann. Derzeit gibt es mit allen Erweiterungen 90 Erfahrungsstufen und es dauert mitunter Monate bis man den höchsten Level erreicht hat.

Die Hersteller veröffentlichen immer wieder neue Gegenstände die immer schwieriger zu bekommen sind und bedienen so die Sammelleidenschaft vieler Spieler. Manch einer stellt sich gerne auf einen bevölkerten Marktplatz in einer der Hauptstädte im Spiel und lässt von den Mitspielern seine Kleidung bewundern, die er in mehreren hundert Stunden harter Arbeit zusammengesucht hat.

Sie werden jetzt wohl denken, ich hätte mich verschrieben. Hab ich nicht. Ich habe mehr als einen Bekannten die tatsächlich mehrere Wochen nur damit beschäftigt waren sich eine bestimmte Rüstung zu besorgen und zwar fünf bis sechs Stunden täglich.

Hier finden Sie einen Online-Fragebogen mit dessen Hilfe Sie herausfinden können, ob Sie oder ein Bekannter Computersüchtig ist.

Soziale Auswirkungen

Wer sehr viel Zeit vor dem Rechner verbringt hat dementsprechend weniger Zeit für andere Dinge wie seine Freunde oder den Freund bzw. die Freundin. Viele Internet Foren sind voll mit Hilfeschreien mit einem ähnlichen Wortlaut wie diesem: “Mein Freund zockt nur noch WoW und hat keine Zeit mehr für mich, was soll ich tun?“. Ich möchte gar nicht erst wissen, wie viele Beziehungen dieses Spiel auf dem Gewissen hat.

Die Spieler suchen sich einen neuen Freundeskreis, im Spiel, die Freunde aus dem echten Leben sind nicht mehr interessant. Man hat ja auch kein Thema mehr, über das man Reden könnte, wenn die Freunde nicht das gleiche Spiel spielen.

Wenn man nur noch dieses Spiel im Kopf hat, kann es natürlich sehr gut sein, dass sich die Schulnoten drastisch verschlechtern. Mir sind auch mehrere Fälle von Auszubildenden bekannt, die ihre Lehre zu Gunsten des Spiels abgebrochen haben. Selbst einige meiner Studienkollegen haben ein Semester „geopfert“ um mehr Zeit im Spiel zu verbringen.

Bei manchen geht es dann so weit, dass sie sogar keinen Wert mehr auf Hygiene und ihre äußere Erscheinung mehr legen. Wozu Duschen? Durch die Internetleitung werden keine Gerüche übertragen und die anderen sehen nur meine Spielfigur, was macht es da, wie ich aussehe? Sind wohl die Gedankengänge dieser Spieler

Ich habe hier zwei Berichte über Spieler die sich zu ihrer Sucht bekennen und von ihren Erfahrungen erzählen:

Online Sucht: Als World-of-Warcraft zum leben wurde

World-of-Warcraft Der soziale Verfall eines Menschen

 

Wege aus der Krise

Wenn Sie bei Ihren Kindern die oben genannten Anzeichen erkennen sollten Sie etwas unternehmen. Viele Krankenkassen bieten mittlerweile spezielle Beratungs-Hotlines für WoW-Sucht an. Eventuell sollten Sie auch einen Besuch bei einem Psychologen in Betracht ziehen.

Sollte es noch nicht ganz so schlimm sein, aber sich schon Abzeichnen, dass ihr Kind der Sucht verfallen könnte, dann könnten Sie versuchen ihn/sie aktiv vom Computer weg zu bekommen. Planen Sie gemeinsame Aktivitäten und zeigen Sie ihm/ihr, dass die reale Welt auch einiges an Spaß und Abenteuer zu bieten hat. Machen Sie es ruhig extrem mit Paragliding, Hochseilgarten, Rafting etc. je mehr Adrenalin ausgeschüttet wird, umso besser.

Ich bin kein Psychologe, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass kein Computerspiel mit einem „echten“ Adrenalinstoß und dem damit verbundenen Glücksgefühl mithalten kann. Durch solche Aktivitäten wird das Spiel langweilig. Ich weiß, dieser Weg ist nicht ganz einfach, aber einen Versuch wert.

Nicht jeder Spieler ist süchtig

Wie ich anfangs schon erwähnt habe, macht World of Warcraft nicht automatisch süchtig. Das Potential ist zwar gegeben und man kann leicht beim Spielen die Zeit vergessen. Machen Sie es zu Ihrer Aufgabe ein waches Auge auf die Spieldauer ihres Kindes zu haben. Sprechen Sie offen darüber und legen Sie gemeinsam ein maximales Pensum an Spielzeit fest. Machen Sie es erst einmal auf Vertrauensbasis, sollte es nicht funktionieren, dann haben sie immer noch die Möglichkeit z.B. am Router die maximale Internetzeit für bestimmte Rechner zu begrenzen.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Online-Spiel-Sucht bei Ihren Kindern gemacht, oder vielleicht einen guten Rat für andere Eltern? Hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben mir direkt an info[at]kinder-im-inet.de

 

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